30.8.2010
Vernünftiges Ausspannen
ist der Anfang jeder Erholung.
Die Schulen der Schweiz müssen sich auf Grund der gesellschaftlichen Veränderungen weiterentwickeln. Die Schulentwicklung des Kantons trägt mit der integrativen Oberstufe den Forderungen der Gesellschaft Rechnung.
Mit OSA-2plus stellt sich die Oberstufe Alterswilen dieser zukunftsgerichteten Herausforderung. Der Anspruch nach unterschiedlicher Förderung für unterschiedliche Begabungen wird mit OSA-2plus in hohem Mass erfüllt. Zudem zwingen organisatorische Gründe - ungünstige Schülerzahlen - äusserst flexibles Modell zu entwickeln. OSA-2plus bietet ausgeglichene und akzeptable Klassengrössen.
Seit 6 Jahren arbeiten wir intensiv an der Weiterentwicklung unserer Oberstufe. Im Sommer 2003 haben wir die gesamte Oberstufe auf das neue Modell OSA-2plus umgestellt.
Die Schüler und Schülerinnen der Oberstufe Alterswilen werden im Modell OSA-2plus nicht mehr in Jahrgangsklassen eingeteilt. Die Einteilung erfolgt in jahrgangsdurchmischten Lerngruppen. Die Lerngruppen bilden zusammen eine Gesamtklasse, die von zwei Lehrkräften betreut wird. Der Unterricht erfolgt in dieser Gesamtklasse vorwiegend individualisiert.
Die Sekundar- und Realschule mit ihren starren Grenzen werden zu Gunsten
differenzierterer Unterrichtsformen aufgehoben. Der Unterricht erfolgt individualisiert
in der Gesamtklasse. Jede Schülerin und jeder Schüler arbeitet nach
seinen Fähigkeiten, Neigungen und seinem Lerntempo.
Die Gesamtklasse besteht aus Lerngruppen, die aus je zwei bis drei Schülerinnen und Schülern im siebten, achten und neunten Schuljahr zusammengesetzt werden. OSA-2plus bietet das 10. Schuljahr an.
Im Kurssystem lernen die Schülerinnen und Schüler in Leistungs- und Interessengruppen. Angeboten werden Kurse in den Bereichen Französisch, Englisch, Italienisch, Algebra, Mathematik und Deutsch für Mittelschulkandidaten, Physik, Chemie, Informatik, Werken, Sport und verschiedene Stütz- und Förderkurse. Die Fächer Französisch und Englisch werden in drei Niveaus geführt.

Das Departement für Erziehung und Kultur des Kantons Thurgau unterstützt und finanziert das Entwicklungsprojekt OSA-2plus.
„Das aktuelle System mit Jahrgangsklassen behindert nicht selten eine adäquate Berücksichtigung des zunehmenden Bedarfs an Individualisierung. ... Dies erfordert neue Unterrichtskonzepte und Lernformen. ... Die Themen „altersgemischtes Lernen“ und „selbstgesteuertes, bzw. eigenständiges Lernen“ rücken deshalb zunehmend ins Zentrum der aktuellen pädagogischen Diskussion.“
aus DEK-Entscheid vom 6. März 2002
„Nicht die Kinder sind für die Schule da, sondern die Schule ist für die Kinder da. Daraus folgt: Die Schule ist anspruchsvoll, interessant, vielfältig und flexibel. Sie orientiert sich an selbständigen LernerInnen und organisiert sich entsprechend.“
Ernst Trachsler
Pädagogische Hochschule Thurgau
Forschungsschwerpunkt Schulentwicklung
„Unterschiedliche Begabungen müssen unterschiedlich gefördert werden. Der normale Unterricht muss auf Begabungsdifferenzen ausgerichtet werden. Die Lernzeit muss flexibel eingesetzt werden."
aus Schulentwicklung und Begabungsförderung
Prof. Dr. Jürgen Oelkers
Mit OSA-2plus werden Schülerinnen und Schüler in ihren Stärken gefördert und in ihren Schwächen unterstützt und nicht bestärkt. OSA-2plus macht eine Individualisierung im Unterricht unumgänglich. Die Forderung nach unterschiedlicher Förderung für unterschiedliche Begabungen wird mit diesem Modell in hohem Mass erfüllt. Damit entfällt die Fixierung auf einen fiktiven Klassendurchschnitt weitgehend. Individualisierung wird zum Standard und bleibt nicht nur ein Wunschziel, das in herkömmlichen Modellen oft nicht verwirklicht werden kann – aber trotz Leistungsdifferenzierung verwirklicht werden müsste!
Eigenverantwortliches und eigenständiges Lernen wird im Modell OSA-2plus gezielt gefördert und geübt. Die Schülerinnen und Schüler planen ihre Arbeitszeit selber und sind verantwortlich für ihr Vorwärtskommen. Jugendliche übernehmen gerne Verantwortung für sich selber, es stärkt ihr Selbstbewusstsein und motiviert. Motivation und Freude sind grundlegende Eigenschaften der Schulfähigkeit. Unmotivierte Schüler lernen nichts. Wir müssen alles tun, um Motivation und Freude an der Arbeit zu fördern. Übernahme von echter Verantwortung, auch gegenüber Mitschülerinnen und Mitschülern (z.B. jüngeren Mitgliedern der Lerngruppe) und die Ausrichtung des Unterrichts auf Begabungsdifferenzen sind Wege in diese Richtung.
Das Lernen in altersdurchmischten Gesamtklassen ist nicht nur organisatorische Notwendigkeit, um einen individualisierenden Unterricht überhaupt organisierbar zu machen, es ist auch eine Form, die dem natürlichen Lernen am nächsten kommt. Die Jüngeren lernen von den Älteren und manchmal auch umgekehrt. Jüngere Schüler lernen gerne von älteren, eine Tatsache, die auch in Gesamtschulen auf der Primarschulstufe festgestellt wird. Erklärende Schüler wiederum vertiefen ihre eigenen Kenntnisse und lernen so – wie so oft in Lehrmitteln gefordert – zyklisch. Schüler helfen einander in organisatorischen und administrativen Dingen – ein individualisierter Unterricht bedingt eine gute Organisation auch seitens der Schüler. Der Lehrer braucht weniger Zeit zum Einfuchsen und Kontrollieren der neu eingetretenen Schülerinnen und Schüler, da ältere Schüler einen Teil dieser Aufgaben übernehmen. Für den Lehrer ist jeweils im Sommer nur ein Drittel der Gesamtklasse neu. Er hat so mehr Zeit den richtigen Lernweg für diese neuen Schülerinnen und Schüler zu finden.
Die Jugendlichen erleben in ihrer Oberstufenzeit verschiedene Rollen aus immer wieder neuen Perspektiven. Auch der schwache Lernende ist einmal der Drittklässler, der den Jüngeren helfen kann.
Ferner darf in Frage gestellt werden, ob ein Zusammenfassen von gleichaltrigen, pubertierenden Jugendlichen überhaupt sinnvoll ist. Eine Altersdurchmischung kann durchaus eine Problemkumulation verhindern. Da mit OSA-2plus lauter gleichartige Gesamtklassen geführt werden, ist auch eine Versetzung von Schülerinnen und Schüler jederzeit möglich, wenn damit problematische Situationen in den Lerngruppen vermieden werden können. Auch die Integration von Schülern mit speziellen Schwierigkeiten kann besser gemeistert werden, da erstens entsprechende Unterstützungsmassnahmen (Schulische Heilpädagogik, Unterrichts-Assistenz) problemlos eingesetzt werden können und zweitens der Schüler oder die Schülerin gezielt platziert werden kann.
Selbstverständlich gibt es Bereiche, wo Schülerinnen und Schüler besser in möglichst homogenen Gruppen gemeinsam lernen (z.B. Fremdsprachen). Diese Bereiche werden in OSA-2plus im Kurssystem unterrichtet. Hier hat der Schüler auch die Möglichkeit zu wählen und Schwerpunkte zu setzen. Dieses System hat weiter den Vorteil, dass beispielsweise ein schwacher Schüler, der mit zwei Fremdsprachen im 1. Oberstufenjahr überfordert ist, die entsprechenden Fremdsprachenkurse auch im 2. oder 3. Oberstufenjahr besuchen kann. Im Kurssystem wird ferner auf die Bedürfnisse der einzelnen Schülerinnen und Schüler bezüglich ihrer weiteren Ausbildung Rücksicht genommen (Vorbereitung auf weiterführende Schulen oder auf eine Berufsausbildung).